Uralter Brauch: Misteln zur Wintersonnenwende pflücken

Misteln sind Schmarotzer, die sich von den Säften anderer Pflanzen ernähren. An Yule, wenn die dunkelste Nacht heranbricht, die zugleich den Beginn des wiederkehrenden Lichts einläutet, werden Misteln gepflückt und über die Türschwelle gehängt. Das soll Glück bringen und Haus und Hof schützen. Glück bringt es auch, wenn sich zwei Liebende darunter küssen. 

Misteln: Parasiten oder Heilpflanze?

Misteln gelten als sogenannte Halbparasiten. Sie saugen mit ihren Wurzeln Nährstoffe und Wasser aus der Wirtspflanze und zerstört dabei die Zellwände des Baums. Gleichzeitig wird die Mistel seit Jahrhunderten als Heilpflanze gefeiert.

In Österreich, Deutschland und der Schweiz werden Misteln zusätzlich zur Krebstherapie eingesetzt. Hildegard von Bingen verwendete Misteln gegen Leberbeschwerden. Und im Mittelalter waren Misteln ein beliebtes Mittel gegen Ohrenschmerzen, Geschwüre, Vergiftungen, Fallsucht und Schwindel.

Die Mistel in der Mythologie

Bereits in der Antike sowie in der germanischen Mythologie kam die Mistel vor. Oft wurde sie als „goldene Zauberrute“ beschrieben, die Frauen fruchtbar machen sollte. Für die Kelten waren Misteln ebenfalls heilig. Die Pflanze sollte böse Geister abwehren sowie Haus und Hof vor Blitzschlag und Feuer schützen. Man sagte der Mistel aber auch nach, dass sie Schlösser öffnen und Schätze aufspüren könne.

Zum Sammeln von Misteln hat man immer ein weißes Tuch ausgebreitet, das von mehreren Personen gehalten wurde. Denn die heiligen Zweige durften den Boden keinesfalls berühren. Interessant ist, dass sich dieser uralte Brauch, das Sammeln und Aufhängen von Misteln, bis heute gehalten hat und noch vielerorts praktiziert wird. Denn noch heute hängt man sich Misteln über die Eingangstür oder an Scheunen. Wenn man darunter ungefragt geküsst wird, soll das Glück bringen, und zwar nicht nur in der Liebe!

Misteln sammeln und kurz vor Weihnachten aufhängen

Wenn du Misteln selbst sammeln möchtest, solltest du erstens gut klettern können und zweitens wissen, dass Misteln nur sehr langsam wachsen. Sie benötigen rund fünf Jahre, bis sie das erste Mal blühen. Wenn du ein Exemplar mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern findest, dann ist dieses bereits 30 Jahre alt! Pflücke Misteln deshalb nur im eigenen Garten. Du kannst diese Weihnachtsdekoration außerdem auf Märkten, bei Weihnachtsbaumverkäufern oder im Blumengeschäft kaufen.

Für mich gehört das Aufhängen von Misteln genauso zur Adventszeit, wie das Aufstellen von Kirschzweigen und das Räuchern zu Silvester. Entferne aber unbedingt die weißen Beeren, bevor du die Misteln nachhause bringst. Denn diese sind giftig und für kleine Kinder und Haustiere eine Gefahr. Falls du etwas Blühendes am Balkon haben möchtest, dann pflanze bereits im Herbst Christrosen ein. Mit etwas Glück blühen sie zu Weihnachten.

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