Die Kraft der Sonne für kalte Wintertage einfangen

Immer wenn die morgendlichen Sonnenstrahlen über die Fenster des Hauses gegenüber in meine Wohnung spiegeln und mich beim Kaffeemachen ins Gesicht treffen, weiß ich, dass der Herbst nicht weit ist. Die von der Sonne aufgeheizte Luft ist plötzlich von einer frischen Brise durchzogen. Das Licht, das auf Häuser, Menschen und Natur fällt, ist gelber, fast schon golden. Herbstgolden! Dieser Moment ist ein sicheres Zeichen für die Ankunft des Altweibersommers. Jetzt heißt es, die letzte Ernte einzufahren und sie für den Winter vorzubereiten.

Gemüse von der Selbsternteparzelle

Die herbstlichen Früchte auf unserer Selbsternteparzelle werden langsam reif und wollen geerntet werden. Falls Du mit dem Begriff „Selbsternteparzelle“ nichts anfangen kannst, hier eine kurze Erklärung: Eine Selbsternteparzelle ist ein Stück vom Feld, das eine Bäuerin, ein Bauer bestellt und Du fertig bepflanzt übernimmst und pflegst. Ab der Übergabe des Feldes besteht Deine Aufgabe darin, das Unkraut zu zupfen, die Pflanzenreihen auszudünnen, Tomatenpflanzen hochzubinden und letztendlich das Gemüse zu ernten. Eine Selbsternteparzelle versorgt Dich von Juni bis Oktober laufend mit frischem Gemüse. Manches davon eignet sich zum Einko- chen, Einfrieren oder Lagern, sodass Du noch im Winter davon zehren kannst.

Sonnenblumen zeigen die Zeit an

Nicht nur der Lichteinfall in der Küche verrät mir den Beginn des Herbstes, sondern auch die Pflanzen auf dem Feld. Sonnenblumen wachsen hier ganz eigentümlich. Nur wenige Gärtner säen sie aus. Sie kommen einfach immer wieder. Manchmal ragen die Sonnenblumen meterweise in die Höhe und strahlen eine beeindruckende Autorität aus, wenn man auf ihre Köpfe hinaufblickt. Im Hochsommer verzieren sie die Landschaft und bieten mit ihren Kernen für Vögel eine wichtige Nahrungsquelle. Im Herbst zeigen sie deutlich die Vergänglichkeit der Natur und sind dabei immer noch wunderschön!

Sonnenblume im Sommer und im Herbst 

Kartoffeln zur rechten Zeit ernten 

Nicht nur an den Sonnenblumen erkennst Du, dass die Zeit für die große Ernte gekommen ist. Wenn die oberirdischen Teile von Kartoffelpflanzen vertrocknen, weißt Du, dass die Früchte in der Erde reif sind. Kartoffeln ernten ist ein echtes Ereignis. Du benötigst einen Spaten, mit dem Du unter die Pflanzen stichst und sie leicht anhebst. Wenn Du dann die Kartoffelpflanze herausziehst, hältst Du plötzlich eine Traube Erdäpfel – wie wir in Österreich sagen – in der Hand. Vergiss nicht, in der Erde nach weiteren Knollen zu suchen. Diese „Schatzsuche“ macht Kindern besonders viel Spaß! 

Sonnengereifte Wildfrüchte im hohen Gras naschen

Wenn die Sonne herbstgolden scheint und ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs bin, kann ich nur schwer an wilden Brombeeren vorbeigehen. Brombeeren sammle ich immer extra viel ein, um daraus eine köstliche Marmelade für den Winter zuzubereiten. Oftmals aber schaffen sie den Weg nicht bis zu mir nach Hause, weil ich mich einfach in die Wiese setzen und sie beim Anblick der Natur und im Genuss der letzten Sonnenstrahlen verzehren muss. 

Pastinaken aus der Erde ziehen 

Vor dem Import von Kartoffelpflanzen waren Pastinaken für die Menschen ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sie wachsen nicht nur gezüchtet auf dem Acker, sondern sind auch in der freien Natur als essbare Wildpflanze zu finden. Pastinaken ernten gehört sicherlich zu den schwierigsten Aufgaben im Herbst, denn sie sitzen tief in der Erde fest und beim Versuch, sie herauszuziehen, gehört viel Muskelkraft und Geduld dazu. Wenn man das Wurzelgemüse endlich gelockert und herausgezogen hat, fühlt es sich fast so an, als hätte man erfolgreich einen Zahn gezogen. Ziehe Dir beim Ernten unbedingt Handschuhe und etwas Langärmeliges an, denn Pastinaken zählen zu den sogenannten „phototoxischen Pflanzen“. Trifft Dich beim Verletzen des Fruchtfleischs ein Spritzer vom Pflanzensaft auf der Haut und kommt noch UV-Licht dazu, kann das einen regelrechten Sonnenbrand verursachen, der bei mir immer mit Brandblasen zutage tritt. 

Einkochen, Verkochen und Lagern 

Viele Gemüsesorten vom Feld lassen sich einkochen oder lagern. Kartoffeln, Kürbisse und Zwiebeln kommen in Holzsteigen in den Keller. Rüben aller Art ebenfalls, allerdings in Eimer mit Sand darin. Was nicht lagerfähig ist, wird eingekocht oder eingefroren. Natürlich schmeckt es frisch am besten. Ich finde frisch vom Feld Geerntetes, wie eingekochter Rote-Rüben-Salat, Gurken-Salat mit Dill, Hollerbeeren- Sirup und Brombeer-Marmelade, lassen immer ein Stück Herbstsonne zum Vorschein kommen, wenn ich ein Glas davon im kalten Winter öffne. Der Geschmack der Sonne und des Herbstes wird regelrecht mitkonserviert. Einfach Herbstgold in seiner pursten Form!

P.S. Diesen Artikel habe ich für HOLUNDERELFE – Zeitschrift für Waldfeen, Textilkünstlerinnen und Kräuterweiber verfasst. Er ist in der neuesten Ausgabe HERBSTGOLD erschienen.

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4 Gedanken zu „Die Kraft der Sonne für kalte Wintertage einfangen

  1. Der Oktober ist der Monat der Ernte und der Wintervorräte.
    Hollundersirup ist mir bekannt, während meiner Ferien in den Bergen habe ich oft einen „Hugo“ getrunken (Weißwein, Eiswürfel, Minzblatt und Hollundersirup) 🙂

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