Balkongemüse und Wildkräuter im tiefsten Winter ernten

Lange Zeit dachte ich, dass die Beschäftigung mit Pflanzen im Winter ruhen muss. Tatsächlich gibt es auch zur kalten Jahreszeit auf dem Balkon einiges zu tun. Und als Selbstversorgerin und Wildkräuter-affiner Mensch halte ich beim Spaziergang durch die erholsame Natur stets Ausschau nach einer nahrhaften Köstlichkeit.

Wer vorsorgt, versorgt sich im Winter mit knackigem Gemüse

Im Spätsommer, wenn die Erntezeit auf der Selbsternteparzelle im vollen Gange ist, wird es Zeit, sich um das Wintergemüse auf dem Balkon zu kümmern. Ich probiere jedes Jahr etwas Neues aus, um die Beete und Kisten auf unserem Balkon zu nutzen. Allerdings eignen sich für den Gemüseanbau im Winter eher Rüben und Blattwerk. Was immer gut funktioniert, sind Radieschen sowie verschiedene Salate und Spinat.

Der Anbau von größeren Rüben, wie Winterrettich oder Rote Rüben, ist mir leider nicht gelungen. Ich denke, die Balkonkisten sind für solch fleischiges Gemüse einfach nicht groß genug. Zumal benötigen sie viel Zeit zu wachsen und ist der Herbst noch warm, machen sich Schädlinge an den Blättern zu schaffen. So ist es mir zumindest im vergangenen Jahr gegangen. Der Winterrettich hatte nach einer Neuaussaat einfach keine Zeit mehr, um richtig auszureifen.

Radieschen und Winterrettich

Radieschen hingegen sind nicht nur äußerst pflegeleicht und unkompliziert im Anbau. Du kannst sie auch vielseitig nutzen. Die Knollen verspeise ich am liebsten knackfrisch aus dem Beet heraus. Oder ich brate sie mit Gewürzen in der Pfanne ab. Und die Blätter der Radieschen lassen sich prima zu Pesto verarbeiten. Der Vorteil am Balkonanbau ist, dass Schnecken einem beim Verzehr der Blätter niemals zuvor kommen.

Für das Radieschenblätter-Pesto benötigst Du:

  • 1 Handvoll knackige Radieschenblätter
  • 100 Gramm Olivenöl
  • 50 Gramm Walnüsse (am besten wild gesammelt)
  • 50 Gramm geriebenen Parmesan

Wasche und schneide die Radieschenblätter grob vor, gib sie zusammen mit den Nüssen und dem Olivenöl in ein hohes Gefäß und püriere das ganze gut durch. Füge anschließend den Parmesan hinzu und fülle das Pesto in zuvor sterilisierte Schraubgläser. Gib zum Schluss noch eine Schicht Olivenöl auf das Pesto, damit alles schön luftdicht und steril bleibt und verschließe die Gläser gut. Im Kühlschrank kannst Du das Pesto – das hervorragend zu aller Art von Teigwaren passt – mehrere Wochen lang aufbewahren. 

Salat und Spinat – so einfach gelingt die winterliche Selbstversorgung auf dem Balkon

Was wirklich gut in jeder noch so kleinen Balkonkiste wächst, ist Blattgemüse, wie Salat und Spinat. Ich liebe es, wenn das saftig grüne Blattwerk morgens durch den ersten frisch gefallenen Schnee zum Vorschein kommt. Die Kälte und das Eis machen den Blättern nur selten etwas aus. Ich pflücke allerdings regelmäßig das Gemüse ab, um es gleich frisch zum nächsten Mittagsgericht zu genießen.

Ein kleiner Tipp: Für die meisten Gerichte aus Spinat benötigt man eine ordentliche Portion, die man in der Balkonkiste nicht zusammen bekommt. Ich bereite aus kleinen Spinatportionen gerne Nockerl aus Dinkelmehl, Eiern und Milch zu, die ich mit geschmolzener Butter, Parmesan, und dem frisch geernteten Salat mit Kernöl serviere. Zusammen schmeckt es einfach hervorragend und ist zudem noch überaus vitaminreich!

Pflücksalat, Rukkola, Asia-Salat, Barbarakraut, Vogerlsalat (Feldsalat) und Spinat

Vitamine aus der Wildnis pflücken

Die zweite Art, um mich im Winter mit Pflanzen beschäftigen zu können, nutze ich in der freien Natur. Wildpflanzen und Wildkräuter gibt es auch bei eisiger Kälte. Was Hagebutten betrifft, soll man sogar den ersten Frost abwarten, bevor man die Früchte erntet. Das macht die Früchte geschmacksintensiver und weicher, was besonders für die aufwendige Weiterverarbeitung wichtig ist.

Eine einfache Möglichkeit, um etwas aus den leuchtend roten, Vitamin-C-haltigen Früchten des Rosengewächses zu machen, ist Tee. Die Hagebutten müssen jedoch zuerst halbiert und entkernt werden. Als Kinder haben wir uns diese Kerne immer gegenseitig wie Juckpulver ins T-Shirt gesteckt, um uns zu necken. Heute entsorge ich sie einfach, denn sie sind ungenießbar. Lass die halbierten Früchte gründlich trocknen, am besten im Backofen bei leicht geöffneter Backofentür und etwa 40 Grad Celsius, damit sie später in den Teedosen nicht schimmeln. Für den Teegenuss musst Du sie nur noch mit kochendem Wasser übergießen und nach Belieben zwischen fünf und acht Minuten lang ziehen lassen. Sehr gut dazu passen auch getrocknete Apfelschalen.

Hagebutten-Marmelade-Rezept:

  • 1 Kilogramm Hagebutten
  • 250 Milliliter guten Weißwein
  • 500 Gramm Gelierzucker 1:1
  • 500 Milliliter Wasser
  • 1 Teelöffel fein geriebene Zitronenschale
  1. Übergieße zuerst die Hagebutten mit dem Wein und stelle alles vier Tage lang an einen kühlen Ort
  2. Rühre den Sud mehrmals täglich gut durch
  3. Passiere danach alles durch ein Sieb oder noch besser durch eine Flotte Lotte
  4. Koche Gelierzucker und Wasser, bis die Flüssigkeit zäh ist
  5. Füge das Mus hinzu und koche die Marmelade mehrere Male auf
  6. Gib die Zitronenschale dazu und rühre fest um
  7. Fülle die Marmelade in sterilisierte Schraubgläser
  8. Drehe sie um, stell sie auf den Deckel und lasse alles gut auskühlen

Spitzwegerich für Hustentee und Hustenhonig

Spitzwegerich findest Du den ganzen Winter, außer, die Blätter werden vom Schnee verdeckt. Er wächst an Wegesrändern sowie auf Wiesen und Äckern. Du kannst Spitzwegerichblätter einfach trocknen lassen und bei Bedarf einen Tee zubereiten. Die ätherischen Öle des Spitzwegerich sind für ihre antibakterielle und reizmildernde Wirkung bekannt. Sehr lange haltbar kannst Du Spitzwegerich machen, wenn Du ihn in Honig einlegst. Du benötigst einen viertel Kilogramm Honig und zwei Hand voll Spitzwegerichblätter. Lass die Blätter im Honig sechs Wochen lang ziehen. Verschließe das Gefäß in dieser Zeit aber nur mit einem Stück Backpapier. Nachdem du die Spitzwegerichblätter entfernt hast, kannst Du das Honigglas zuschrauben und für lange Zeit aufbewahren. Bei uns zu Hause hält er allerdings nie lange. Denn bei Halskratzen und Husten im kalten Winter ist er löffelweise genossen eine echte Wohltat!

Kirschzweige

Barbarazweige und Misteln fürs Glück

Zwei Bräuche, auf die ich in der Vorweihnachtszeit niemals verzichte, ist das Aufstellen bzw. Aufhängen von Kirschzweigen und Misteln. Kirschzweige kommen am 4. Dezember in die Vase. Blühen Sie bis zum 24. Dezember auf, bedeutete das großes Glück im kommenden Jahr. Der Brauch, Misteln an Haus und Hof gegen Unglück und Blitzschlag zu hängen, ist uralt. Ich hänge die Pflanze, die bereits im Mittelalter und von Hildegard von Bingen als Heilpflanze genutzt wurde, immer zum Fest der Wintersonnenwende in den Eingangsbereich unserer Stadtwohnung. Dort bleibt die Mistel bis zum nächsten Yule, um für Schutz und viel Glück im ganzen Jahr zu sorgen!

Eure Brigitte

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P.S. Dieser Artikel ist zuvor in der Winterausgabe „Schneeweiß“ von HOLUNDERELFE – Zeitschrift für Waldfeen, Textilkünstlerinnen und Kräuterweiber erschienen.

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