Das Heilwissen der Pinzgauerinnen – altes Kräuterwissen aus dem Salzburger Land

Die traditionelle Heilpflanzenkunde hat im österreichischen Pinzgau einen hohen Stellenwert. Lange wurde das Pflanzenwissen nur mündlich tradiert. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, wurde es 2010 auf die Liste der UNESCO für Immaterielles Kulturerbe gesetzt.

Das Heilpflanzenwissen ist so alt wie die Menschheit

Viele verschiedene Pflanzen wurden schon von unseren frühesten Vorfahren dazu genutzt, körperliche Beschwerden zu heilen. Und auch heute noch nutzt ein Großteil der weltweiten Bevölkerung Heilpflanzen zur Heilung von Krankheiten. Mit dem Einzug der modernen Medizin rückte die Heilpflanzenkunde jedoch zunehmend in den Hintergrund. Von manchen Menschen wird sie heutzutage sogar als Humbug abgetan. Die moderne Medizin beruht jedoch auf dem Heilwissen von Pflanzenkundigen. Es werden weiterhin Auszüge aus Pflanzen für die Behandlung von Krankheiten genutzt, wie das Beispiel der Eibe zeigt, die in der Krebstherapie eine wichtige Rolle spielt.

Regionales Kräuterwissen aus dem Pinzgau

Der Pinzgau ist eine Region im österreichischen Salzburger Land, dessen natürliche Landschaft aus Bergen, Wiesen, Wäldern, Flüssen, Wasserfällen und Seen besteht. Auf den Almen wachsen vielerlei Wildkräuter und alpine Heilpflanzen. Diese haben für die pflanzenkundigen Pinzgauerinnen eine besondere Bedeutung. Denn das Wissen darüber ist uralt und wurde über Jahrhunderte hinweg nur mündlich tradiert. Erst im Jahr 2005 begann man, das „Heilwissen der Pinzgauerinnen“ aufzuschreiben. Fünf Jahre später wurde es von der UNESCO als schützenswert anerkannt.

Heilpflanzen so alt wie die Kelten

Vielleicht sind die traditionellen Heilpflanzen im Pinzgau so bedeutend, weil die Region einst von den Kelten besiedelt wurden und das Wissen über die regional vorkommenden Heilpflanzen schon auf eine sehr lange Geschichte und Tradition beruht. Vielleicht aber auch, weil früher auf hohen Bergen und in tiefen Tälern nicht immer ein Arzt zur Stelle war. Die Leute mussten sich selber versorgen und Heilpflanzen waren ein lebenswichtiges Hilfsmittel zur Linderung von Leiden.

Geschütztes Heilwissen aus dem Pinzgau

Das Heilwissen der Pinzgauerinnen besteht aus 106 Heilpflanzen, aus denen Salben, Tinkturen und Tee hergestellt werden. Die Wirksamkeit dieser Heilpflanzen wurde über Jahrhunderte hinweg beobachtet und nur bewährte Heilpflanzen kamen auf die Liste. Harzen wird beim traditionellen Heilwissen der Pinzgauerinnen eine besondere Bedeutung beigemessen, wie beispielsweise dem Tannen-, Lärchen- und Fichtenharz. Denn diese Harze weisen eine desinfizierende sowie zusammenziehende Wirkung auf. Ein anderes wichtiges Hausmittel im Pinzgau ist Arnika, eine Heilpflanze, die zu Schnaps verarbeitet und als Tinktur angewendet wird. Arnika-Tinktur kommt gerne bei Prellungen, Insektenstichen, blauen Flecken und rheumatischen Beschwerden zum Einsatz. Sehr praktisch also, wenn man in den Bergen unterwegs ist.

Wissensvermittlung damals und heute

Im Zuge meiner Bachelorarbeit über „Wilde ObstsammlerInnen in der Stadt“ habe ich mich sehr mit der Herkunft von Wissen über essbare Sammel- und Nutzpflanzen beschäftigt. Die Menschen, mit denen ich damals über das Thema gesprochen habe, erzählten davon, dass sie vieles bereits im frühen Kindesalter von ihren Eltern und Großeltern erfahren haben. Für die Vertiefung des Wissens wurde später gelesen, studiert und selber ausprobiert. In diesem Sinne plädiere ich dafür, mehr mit unseren Kindern hinaus in die Natur zu gehen und ihnen etwas über nützliche Wildpflanzen zu erzählen – damit die Beschäftigung damit und das Wissen darüber niemals verloren geht!

[Werbung in eigener Sache] Meine neuesten E-Books: „Nützliche Wildpflanzen rund ums Jahr“ und „Mein Balkongartenjahr – Anregungen für die urbane Selbstversorgung und eine blühende Naturoase“.

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Quellenangaben:

https://www.teh.at/

https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/oesterreichisches-verzeichnis/detail/article/heilwissen-der-pinzgauerinnen/

https://www.region-pinzgau.at/region-pinzgau/

https://www.botanischergarten.uni-freiburg.de/freiland/heilpflanzenbeete/geschichteheilpflanzenkunde

3 Gedanken zu „Das Heilwissen der Pinzgauerinnen – altes Kräuterwissen aus dem Salzburger Land

  1. Mehrmals war ich im Pinzgau im Urlaub, aber ich hätte nie gedacht, dass die Traditionelle Heilpflanzenkunde dort noch immer so lebendig von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ich muss zugeben, dass ich den Pinzgau als eine der attraktivsten Regionen Österreichs empfunden habe. Wir hielten uns mehrmals in Bramberg auf, wo ich auch meine Gleitschirm-Ausbildung begann. Ich fliege nicht mehr.

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